In der Nacht von Amsterdam nach München – mein Eindruck der Mini Cabins im Nightjet

Seit einiger Zeit setzt die ÖBB die Modelle des neuen Nightjets auch zwischen Amsterdam und Innsbruck bzw. München ein. Da ich beruflich häufiger auf dieser Strecke unterwegs bin, habe ich die Mini Cabins auf zwei Fahrten im Dezember 2025 getestet.

Direkt vorab kann ich sagen, dass der ÖBB das Konzept wirklich gut gelungen ist. Man hat relativ viel Privatsphäre und kann über Nacht zumindest einige Stunden in Ruhe schlafen. Im Detail mangelt es dann aber leider an vielen kleinen Dingen, welche die Mini Cabins letztlich unnötig abwerten. Aber beginnen wir vorne.

Einstieg und Gepäck

Der Einstieg in den Zug verläuft grundsätzlich zügig und problemlos. In den Gängen kommt es allerdings schnell zu Staus. Anders als in klassischen Abteilen verschwinden die Fahrgäste nicht sofort in ihren Kabinen, sondern bleiben zunächst im Gang stehen, um ihr Gepäck zu verstauen. Mit einer klareren Kommunikation und einer besseren Reisendenführung könnte die ÖBB hier spürbar für Entlastung sorgen.

Beim Thema Gepäck zeigt sich zugleich der größte Kritikpunkt der Mini Cabins. Zu jeder Cabin gehören ein Gepäck- und ein Schuhfach, die sich per NFC-Karte öffnen lassen. Beide Fächer befinden sich außerhalb der eigentlichen Kabine. Das Gepäckfach ist allerdings sehr klein und eignet sich lediglich für Handgepäck. Selbst meine 60-Liter-Tasche passte (knapp) nicht hinein.

Gerade in der Skisaison, wenn viele Reisende mit sperrigem Gepäck unterwegs sind, führt dies zu chaotischen Zuständen. Als Ausweichmöglichkeit bleiben lediglich die Gepäckregale im Sitzwagen. Auch dort ist eine Sicherung per NFC-Karte möglich, allerdings nur eingeschränkt. Auf beiden Fahrten lag entsprechend viel Gepäck ungesichert rund um die Gepäckfächer. Wer später zusteigt, hat unter Umständen keine Chance mehr, sein Gepäck sinnvoll zu verstauen.

Zusätzlich waren auf beiden Fahrten die großen Gepäckfächer unter den unteren Mini Cabins nicht nutzbar, da sie offenbar für den Transport von Bettwäsche verwendet werden. Hier besteht aus meiner Sicht dringender Handlungsbedarf: Bei einem Nachtzug muss ausreichend Platz für Gepäck vorhanden sein.

In der Mini Cabin

Die ÖBB stellt ein Bettlaken, eine Decke sowie ein kleines Kissen zur Verfügung. Nach dem Verstauen des Gepäcks geht es schnell ans Bettmachen, und dann ab in die Mini Cabin. Da sich die Liegefläche nicht einklappen lässt, gibt es keine klassische Sitzposition. Man muss beim Sitzen ständig schauen, wo und wie man die Beine am besten unterbringt. Wirklich bequem fand ich es nicht, aber es war akzeptabel.

Sehr praktisch ist hingegen, dass sich der Tisch nach vorne oder hinten bewegen lässt, sodass man ihn passend zur Sitzposition einstellen kann. Wirklich störend fand ich jedoch die Temperaturen in der Mini Cabin. Diese lassen sich nicht individuell einstellen, sondern werden für den gesamten Wagen zentral gesteuert. Im Winter empfand ich die Temperaturen als zu kalt, zumal es rund um das Fenster unangenehm zieht. Nehmt euch also gerade im Winter lieber noch eine warme Decke mit!

Neben einer zusätzlichen Decke würde ich auch empfehlen, ein eigenes Kopfkissen mitzunehmen. Die kleinen ÖBB-Kissen taugen meiner Meinung nach nicht für einen erholsamen Schlaf. Mit meinem eigenen Kissen und gut eingepackt habe ich im Zug aber durchaus gut geschlafen. Ohrstöpsel solltet ihr ebenfalls dabeihaben, da die Kabinen untereinander nicht wirklich schallisoliert sind. Jedes Öffnen einer Tür oder die Bewegungen der Mitreisenden können einen sonst schnell aufwecken.

Das Frühstück

Im Preis der Mini Cabin ist ein Frühstück enthalten. Dieses besteht aus Kaffee oder Tee, zwei Semmeln, Marmelade, Margarine sowie einem Tetra-Pack Wasser. Auf meiner ersten Fahrt wurde das Frühstück bereits eine Stunde vor Ankunft serviert – in meinem Fall morgens um 6 Uhr. Eine spätere Ausgabe war laut Liegewagenbegleiter nicht möglich.

Geschmacklich konnte mich das Frühstück nicht überzeugen. Der Kaffee ist eine wenig ansprechende Instantmischung, und auch die Backwaren bieten keinen besonderen Anreiz. Auf der Rückfahrt habe ich daher bewusst darauf verzichtet.

Kritisch sehe ich zudem die Menge an Verpackungsmüll, die durch das Frühstück entsteht. Sinnvoll wäre eine Option, das Frühstück bereits bei der Buchung abzuwählen, sodass es gar nicht erst bereitgestellt wird. Positiv erwähnenswert ist jedoch, dass mir auf der Rückfahrt angeboten wurde, das Frühstück „to go“ mitzunehmen – eine gute Idee, die allerdings offenbar nicht zum Standard gehört.

Fazit

Auch wenn es vielleicht nicht so klingt, ist der ÖBB insgesamt ein gutes Konzept gelungen. Als Einzelreisender bin ich selten so bequem und mit so viel Privatsphäre gereist. Im Detail gibt es jedoch viel Potenzial für Verbesserungen, und es ist zu hoffen, dass die ÖBB hier nachbessert.

Die größten Kritikpunkte sind die Temperaturen im Zug und der zu geringe Platz für Gepäck. Doch wie sieht es mit dem Preis aus? Für die Fahrt tagsüber zahle ich mit BahnCard 50 zwischen 80 und 120 €, je nach Reisetag und Angebot (Flex- oder Sparpreise). Für die Nightjet-Fahrten habe ich einmal 120 € (semi-flexibel) und einmal 55 € (nicht stornierbar) gezahlt. Hier kommt jedoch noch die Anfahrt mit dem ÖPNV zum Abfahrtort des Nightjets hinzu. Diese Anfahrt ist in dem Ticket der DB bereits enthalten und schlugen jeweils auch nochmal mit knapp 20 € zu buche.

Das sind natürlich sehr attraktive Preise, insbesondere da ich über Nacht reisen kann. Die Preise sind jedoch auslastungsabhängig und hängen auch vom Buchungszeitpunkt ab. Gerade zu reisestarken Zeiten kann es schnell schwierig werden, günstige Tickets zu bekommen, und bei deutlich höheren Preisen wiegen die genannten Kritikpunkte natürlich spürbar schwerer.