Routenplanung und Unterkunft bei Radreisen

Als Teil der Serie „Tipps und Tricks für die erste Radtour“ geht es hier um das Thema Routenplanung und Unterkünfte.

Vorab ist mir aber folgender Hinweis nochmal wichtig: Radreisen ist unglaublich individuell, gerade deswegen ist es so schön. Die Antworten auf die Fragen sind daher eher als Anregungen zu verstehen – sie stellen meine persönliche Sicht da.

Wie plane ich die Route am besten?

Das ist wahrscheinlich die schwerste Frage und hängt von vielen Faktoren ab. Zuerst steht natürlich die Frage nach der Region und der Zeit. Sind diese Eckdaten geklärt, kommt die nächsten beiden Fragen: Start und Endpunkt.

Beide Fragen klären sich häufig relativ schnell bei den Überlegungen: „Wo komme ich (wie) hin?“ und „Von wo komme ich (wie) wieder weg“, seien es Städte mit größeren Bahnhöfen, Fährhäfen oder Flughäfen. Bei der Frage nach dem „Wegkommen“ sollte man ungefähr im Kopf haben, ob es zeitlich realistisch ist den anvisierten Endpunkt zu erreichen. Als erste Abschätzung nehme ich gerne so etwas wie 60 – 80 km pro Tag an.

Sind diese groben Eckpunkte geplant gehe ich an die „Detailplanung“. Zunächst markiere ich mir besondere Highlights (Sehenswürdigkeiten, Städte etc.) die ich gerne sehen würde. Tatsächlich mache ich das ganz gerne auf einer Papierkarte oder aber mittels einer Skizze auf dem Tablet.

Mit diesen Informationen mache ich mich schließlich an die erste grobe Planung einer möglichen Streckenführung. Hierfür nutze ich Routingtools wie bspw. Google-Maps, Naviki oder Outdooractive. Besonders praktisch finde ich es, wenn ich die Route als kml exportieren und mir in z.B. Google Earth anschauen kann. Zudem recherchiere ich immer ob es in der anvisierten Region womöglich besondere Fernradwege gibt, auf deren Netz man zurückgreifen kann, oder aber ob es Erfahrungen im Internet gibt. Häufig findet man auf Blogs anderer Radreisenden einige wertvolle Informationen über schöne, oder aber nicht so schöne, Streckenführungen.

Erste Grobplanungen

Anhand dieser groben Route lässt sich nun wunderbar prüfen ob die ursprünglichen Pläne halbwegs realistisch sind. Persönlich rechne ich immer mit ca. 80 km pro Tag und einem Paustage alle 7 Tage. Für besondere Sehenswürdigkeiten auf der Strecke (z.B. Städte) sollte man direkt noch einen zusätzlich Pausetag einplanen. Wer länger (2 Wochen und mehr) unterwegs ist, sollte sicherlich generell auch noch einen Puffer für Unwägbarkeiten wie Probleme mit dem Rad etc. einplanen.

Wichtig ist dabei auch direkt die Topographie zu berücksichtigen. Höhenmeter brauchen mehr Zeit und kosten viel Kraft! Ebenso sollte man schauen ob man Informationen zum Untergrund findet. Manche Routingtools führen auch schonmal gerne über Wals- und Wiesenwege wo man mit einem voll bepacktem Reiserad ggf. etwa schieben muss. Stellt man fest, dass die Planung unrealistisch ist sollte man sie an diesem Punkt anpassen. Persönlich finde ich es sehr störend mit einem unrealistischem Plan zu starten, bei dem jeden Tag ein straffes Programm nötig ist.

Ist diese grobe Planung fertig gestellt, empfiehlt es sich Gedanken über die Unterkünfte zu machen. Auf diesen Punkt gehe ich unten nochmal näher ein. Wichtig ist in diesem Schritt vor allem die Überlegung, ob die potentiellen Tagestouren so fahrbar sind, dass am Ende des Tages eine Möglichkeit besteht irgendwo zu übernachten. Wer wild mit dem Zelt campt sollte dabei die wenigsten Probleme haben 😉

Diese grobe Planung nehmen ich für die eigentliche Tour immer als Orientierung mit. Anhand dessen kann man gut abschätzen wieviel Zeit man für weitere Abstecher etc. einplanen kann. Wichtig ist auch hier nochmal zu betonen, dass diese Planung nur als grobe Orientierung dient. Radtouren von 2 Wochen und komplett durchzuplanen finde ich nicht wirklich sinnvoll.

Sollte ich die Route unterwegs anpassen?

Kurz und knapp: Ja! Zumindest macht das Sinn. Ich nutze während der Tour immer Oruxmaps und habe dort den grob geplanten GPS-Track von oben als Route geladen. Dieser Route folge ich aber nicht stur.

Es gibt viele Gründe von dieser Planung abzuweichen. Womöglich gefällt mir eine Ecke besonders gut, so dass ich etwas mehr Zeit dort verbringe. Unterwegs bekommt man auch immer wieder Tipps für besonders schöne Orte oder besonders guten/schlechten Strecken. Hier kann ich nur empfehlen mit anderen Radfahrer*innen oder Gastgeber*innen zu sprechen. Auch die Qualität der Wege sollte man sich auf der Karte immer mal wieder kritisch anschauen und die Routenführung ggf. unterwegs anpassen. Es gibt nur wenige Dinge die unerfreulicher sind als bspw. den ganzen Tag an stark befahrenen Straßen oder über schlechte Schotterwege zu fahren.

Wo finde ich Unterkünfte?

Das kommt stark darauf an, wie Du unterwegs sein willst. Ich persönlich bin am liebsten mit dem Zelt unterwegs. Es gibt beispielsweise kml-Dateien aller vom ADAC empfohlenen Campingplätze in Europa. Ein ähnliches Produkt gibt es von Archies [externer Link]. Diese können z.B. einfach in Google Maps geladen werden und die in Frage kommenden Plätze in die Routenplanung von oben integriert werden.

Für alle die zwar mit dem Zelt, aber unabhängig von Campingplätzen, unterwegs sein möchten finden einige Portale mit privaten Angeboten. Beispiele hierfür sind 1Nitetent [externer Link] oder Warmshowers [externer Link]. Zusätzlich bietet z.B. die App iOverlander eine Übersicht einiger Möglichkeiten zum Wildcampen.

Wer hingegen lieber das Zelt zuhause lassen will, hat einerseits die Möglichkeiten ebenfalls über Warmshowers oder bspw. Couchsurfing Hosts zu finden. Wer lieber in Hotels, Jugendherbergen oder Co. unter kommt findet hier ein breites Angebot auf den üblichen Webseiten. Der ADFC bietet über Bett + Bike [externer Link] eine ganze Reihe an Unterkünften an die besonders für Radfahrende ausgelegt sein sollen. Persönlich habe ich auf das Angebot bislang nie zurückgegriffen, da mein Eindruck ist, dass hier vor allem höherpreisige Hotels angeboten werden.

Wieviel Tage sollte ich im voraus planen?

Das kommt natürlich stark auf die geplante Tour und die Jahreszeit an. Wenn ich zu Zeiten unterwegs bin wo Unterkünfte stark ausgebucht sein können und bspw. in beliebten Städten übernachten möchte, versuche ich mich 2-3 Tage vorher auf eine Unterkunft festzulegen und diese zu buchen. Für Campingplätze gibt es vorher üblicherweise keine Buchungsmöglichkeiten bei kurzen Übernachtungszeiträumen, dort hatte ich bislang jedoch fast nie Probleme einen Platz zu finden. Auch Hosts bei Warmshowers oder 1NiteTent müssen natürlich etwas im Vorfeld kontaktiert werden.

Falls ich aber nur kurze Radtouren mit wenigen Tagen unternehme und bspw. kein Zelt mitnehmen möchte buche ich häufig bereits im Vorfeld die notwendigen Übernachtungen.