Nach einer ruhigen Nacht in einer kleinen Unterkunft kurz vor Virpazar ging es am nächsten Morgen weiter entlang des Shkodrasees, der sich in der Morgensonne von seiner besten Seite zeigte. Kurz darauf zeigte sich aber Montenegro von seiner Schattenseite für Radfahrer:innen. Wir mussten ein Stück auf der M2 fahren, da es keine Alternativen gibt. Auch der Eurovelo 8 führt hier lang. Die schmale Straße erstickte im Verkehr, auf der Gegenfahrbahn stand der Verkehr, LKWs, Taxen und Co versuchten uns trotzdem zu überholen oder aus dem Weg zu hupen (ergo am besten über die Leitplanke springen) obwohl etwa 50 Meter später die Gegenfahrbahn zum Überholen frei gewesen wäre. Nach einiger Zeit waren wir auf schönen Nebenstraßen angelangt und kletterten durchs Nirgendwo in Montenegro. Wir kamen durch ein paar kleine Dörfer und hatten schöne Blicke auf die Berglandschaft. Größte Kuriositäten bestand aus einer Art Bar in einem kleinen Dorf wo uns eine alte Frau Erfrischungsgetränke aus einem Kühlschrank am Straßenrand verkaufte. Das Stück – im übrigen Teil des TT5 (siehe unten) – war das komplette Kontrastprogramm zum starken Verkehr, da wir über Stunden kein Auto sahen.
Kurz vor Cetinje mussten wir dann nochmal auf die M2.3, ebenfalls „Empfehlung“ des Eurovelo 8. Die Straße war diesmal dreispurig und hier Rad zu fahren ist eigentlich geisteskrank. Dies liegt aber nicht an der Straße selbst, ähnliche Straßen bin ich in anderen Ländern schon entspannt gefahren, Es liegt daran, dass sowohl Einheimische, aber auch Fahrzeugehalter:innen aus Österreich, Deutschland und Co. komplett rücksichtslos durch die Gegend fahren. Klar, der Eurovelo 8 ist noch in der Entwicklung in Montenegro, solche Strecken bei dem Fahrverhalten aber zu empfehlen ist wirklich komplett verrückt. Ganz klare Empfehlung ist hier sich an die wenigen in Monetengro ausgewiesenen Radstrecken (TT) zu halten (externer Link). Auch hier geht es aber stellenweise auf stark befahrenen Straßen, wobei die TT5 hier eine schöne Alternative zur Streckenführung des Eurovelo 8 hat. Leider geht es hierbei teilweise über aufgegeben Straßen. Bereits jetzt war das Stück auf der alten Straße nach Cetinje, welches der TT5 folgt, in sehr schlechtem Zustand. In 2 -3 Jahren ist ein Mountainbike hier wohl fast Pflicht.
In Cetinje wunderten wir uns über die Straßensperrungen in einigen Teilen der Stadt sowie die Frankreichfahnen. Auch unsere Vermieterin sagte uns, dass am nächsten Tag die Straße nach Budva gesperrt wäre. Für uns ging es aber von Cetinje auf in Richtung des Lovćen Nationalparks – also die ganz andere Richtung – daher störte uns die Sperrung erstmal nicht. Die Straße durch den Nationalpark hat nur wenig Verkehr, aber auch hier gab es leider einige absolut rücksichtslose Fahreinlagen von Einheimischen. Ansonsten ist die Straße ein wunderschöner Anstieg in die schöne Bergwelt.








Oben angekommen wollten wir an der Bergstation der Seilbahn eigentlich die Aussicht auf die Bucht von Kotor genießen, hier stand aber nur ein Polizist uns sagte es wäre geschlossen. Nach einigen Minuten Recherche im Internet fanden wir heraus, dass am gleichen Tag Macron in Cetinje zu Besuch war und am nächsten Tag der Westbalkangipfel stattfindet. Während wir uns an den Abstieg machten tauchten immer mehr Polizist:innen auf. Kurz vor dem Beginn der alten Straße nach Kotor wollten wir eigentlich noch ein Kaffee trinken und ein Polizist sagte uns, dass ab 17 Uhr alles blockiert wäre. Was genau „alles“ sei konnte er uns nicht sagen.
Wir fuhren langsam die bekannten „Kotor-Serpentinen“ herunter und genossen die wunderschönen Blicke auf die bekannte Bucht von Kotor. Uns war noch immer unklar was genau auf uns zukommt, dachten – nun gut dann wird die Straße hier halt gesperrt, aber wir sind ja drauf. Wir vermuteten Macron und Co werden den Ausblick von der Seilbahn auf Kontor genießen. Kurz vor Ende der Straße wurden wir von der Polizei über eine steile Piste auf die Hauptstraße abgeleitet. Da war dann Ende, alles sei gesperrt. Wir hatten kurz nach 17 Uhr und mussten aber noch zu unserer Unterkunft kommen, die wir unwissend unweit des Austragungsort des Westbalkangipfels in Tivat gebucht hatten.
Es hat uns viele Anläufe gekostet bis wir mal eine Polizistin finden konnten, der wir erklären konnten wo wir hin wollten und wie wir fahren wollten. Offenbar war eben nicht alles gesperrt, sondern nur die Hauptstraße durch Tivat. Diese aber auch nicht so richtig, da zu Fuß und mit dem Fahrrad schiebend, oder aber auf dem Gehweg vorsichtig Rad fahrend dann doch okay war.
Unser ursprünglicher Plan war es in Tivat einen Tag zu bleiben und Kotor zu besichtigen sowie etwas Zeit am Strand zu verbringen. Da sich von der Lyen, Merz, Macron und Co aber am nächsten Tag zum Mittagessen in Tivat verabredet hatten, war klar das dies etwas schwiriger wird. Vernünftige Informationen dazu was wann gesperrt ist gab es nicht. Daher versuchten wir mit den Rädern am nächsten Tag möglichst früh in Richtung Kotor zu fahren und Abends nach den Straßensperrungen wieder zurück zu fahren, was überraschend gut klappte und so verbrachten wir einen schönen Tag in Kotor und im Wasser der Bucht.







Am nächsten Tag suchten wir möglichst schnell den Weg heraus aus Montenegro nach Kroatien. Was bleibt von Montenegro? Wunderbare Landschaft! Zum Radfahren aber definitiv kein empfehlenswertes Land und wenn, dann nur weit abseits auf entlegenen Straßen und Schotterwegen. Bislang hab ich in keinem Land ein so rücksichtsloses Verhalten der Autofahrer (das braucht man hier nicht gendern..) gegenüber Radfahrenden erlebt. Das es im Straßenverkehr mal gefährliche Situationen gibt gehört dazu, auch dass es die einen oder anderen Leute gibt die sich nicht an Regeln halten. In Montenegro passierte uns das aber in einer Menge, die ich so noch nicht erlebt habe. 30 – 40 % der Überholmanöver waren absolut riskant. Das Handy beim Fahren in der Hand sieht man auch oft genug. Gerne dazu auch mal ein Auto ganz ohne Kennzeichen. Auch sonst hatten wir in dem Land – anders als in Albanien, Kroatien und Co – nie das Gefühl, dass es ein Verständnis für die Fortbewegung per Fahrrad gibt. Dazu passt auch, dass wir bis auf ein paar Radreisende am Shkodrasee sowie Touristen rund um Kotor keine Radfahrenden und auch keine Infrastruktur gab.
So waren wir froh, als wir Kroatien erreicht haben. Von Tivat sind wir bis Dubrovnik dabei dem Verlauf des Eurovelo 8 gefolgt. Dieser führt auf einigen Teilen, mangels Alternativen, entlang der D8. Auf diesen Stücken war viel Verkehr und das Fahren war wenig angenehm. Das liegt auch daran, weil die D8 eigentlich viel zu klein für die großen Verkehrsmengen ist. Dennoch war es angenehmer als in Montenegro. Abseits der D8 ist die Strecke aber sehr schön, bietet aber kurz hinter dem Grenzübergang einige sehr starke Steigungen. Gerade der Teil um den Flughafen Dubrovnik war sehr schön, da es hier durch kleine Dörfer, viele Weinreben und Olivenbäume geht und ihr vom Flughafen selbst eigentlich nichts mitbekommt. Der Eurovelo 8 führt hier hier jedoch auf einem kurzen (etwa 500 Meter) Stück sehr schlechter Schotterpiste. Hier sollte man sowohl wegen des Untergrund etwas aufpassen, aber auch achtsam vor Schlangen sein. Auf dem kurzen Stück waren bei uns gleich 2 auf dem Weg. Das Stück lässt sich Alternativ aber auch gut auf der Hauptstraße umfahren, uns war der Schotterweg dann aber lieber.







