Sizilien mit dem Fahrrad umrunden

 

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Dauer: Etwa 20 Tage

Als Start-/Endpunkt der Umrundung  von Sizilien mit dem Fahrrad habe ich Palermo gewählt. Palermo ist von Neapel oder Civitavecchia (nahe Rom) problemlos per Fähre zu erreichen. Wer fliegen möchte findet hier (und in Catania) internationale Flughäfen. Bis vor kurzem war Rom bequem per Nachtzug (inklusive Fahrradmitnahme) von Deutschland aus zu erreichen. Stand 2017 ist diese Möglichkeit (leider) weggefallen. Hier wird entweder eine Fahrradtasche oder aber der Eurocity nach Bologna + Nahverkehr bis Rom nötig.

Der Start in Palermo ist direkt ein Sprung ins kalte Wasser. Von der Fähre geht es direkt in den dichten Stadtverkehr. Hier braucht es zunächst einige Akklimatisierung, macht aber irgendwann fast Spaß. Beschleunigen, Bremsen, an Autos vorbeischlängeln – immer schön den Motorrollern folgend – Radfahren für Fortgeschrittene. Von Palermo bin ich zunächst der Küstenstraße in nördlicher Richtung nach Cefalu gefolgt. Nachdem Palermo hinter mir lag, war der Verkehr auf den Straßen (im Mai) größtenteils gering. Allerdings macht ich auch schnell die Erkenntnis, das man doch gut schauen sollte auf was für wegen man unterwegs ist. Alles was nicht als Hauptstraße gekennzeichnet ist, endet schnell in unfahrbaren Schotterpisten. So hieß es bereits kurz hinter Palermo das erste Mal „schieben“.

 

Hinter Cefalu ging die Fahrt weitestgehend auf der SS113 weiter. In der Nähe von Tusa lohnt sich ein Abstecher nach Alèsa Arconidèa, der weitere Teil der Strecke bis Capo d’Orlando bot nur wenige Highlights.

Hinter Capo d’Orlando wird die Küste teilweise deutlich steiler. Streckenweiße ist die SS113 eine sehr schönen Panoramastraße mit wenig Verkehr,  bei der man direkt zwischen Meer und Fels Fahrrad fahren kann – ein Highlight! Bei gutem Wetter sind zudem die Liparischen Inseln am Horizont zu erkennen.

In Richtung Tindari ändert sich die Landschaft, die Küste wird wieder weniger felsig, die Landschaft offener.  Die Wallfahrtskirche in Tindari lohnt sicherlich einen Besuch, sofern man nicht zur Hauptsaison unterwegs ist. Insbesondere der Lagune sollte man aber einen Besuch abstatten.

 

Weiter ging es von Tindari in Richtung Milazzo von wo aus ich mit der Fähre (diese fahren üblicherweise mehrmals am Tag,  Fahrradmitnahme ist auf den Autofähren kein Problem) nach Vulcano übergesetzt bin.

Auf Vulcano selbst lässt sich nur wenig Rad fahren. Die Insel mit seinem (noch teilaktivem) Vulkan ist aber auf all Fälle ein Besuch wert und eine Wanderung auf den Krater lohnt auf all Fälle!

Nach soviel Küstenstraße wird es Zeit für Höhenmeter. Ich habe mich entschieden den Großraum Messina zu meiden und direkt durch das Nebrodi Gebirge in Richtung Etna zu fahren.  Auf Nebenstraßen ging, vorbei an Schafherden, schnell weg von dem wuseligem Küstenverkehr. Auf SP Nebenstraßen schlängelte sich der Weg durch das Gebirge bis auf etwa 1200 Metern Höhe. Verkehr war eine Fehlanzeige – stellenweise habe ich lange Zeit kein Auto oder Lastwagen gesehen. Ab Montalbano Elicona (dem einzig größerem Dorf auf der Strecke) gab es dafür Nebel mit Sichtweiten weit unter 50 Meter, obwohl das Wetter am Strand morgens bestens war. Die Wetterumschwünge in den Bergen sollte man nie unterschätzen.

Erst als ich in etwa am höchstem Punkt wieder auf die SS116 gekommen bin, nahm der Verkehr etwas zu. Ab jetzt ging es flott den Berg in Richtung Etna bergab. Hier habe ich Randazzo liegen gelassen und bin direkt bis zum Meer durchgefahren.  Wer Taormina noch nicht kennt, sollte der Stadt einen Besuch abstatten. Der Verkehr ist hier in der Küstenregion allerdings relativ dicht – Radfahren ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Das weitere Stück bis Siracusa führt vor allem durch die industriell geprägte Region um Augusta (Petrochemie!!). Auch hier ist Radfahren nicht nur Freude, weshalb ich das Stück mit dem Zug zurückgelegt habe. Wer auf den Zug verzichten möchte (2015 hatte man moderne Niederflurzüge in welche das Fahrrad samt Gepäck einfach hineingeschoben werden konnte) sollte sich überlegen die Strecke landeinwärts zu fahren.

Ab Siracusa habe zunächst die Cavagrande-Schlucht besucht (mein Tipp ist der Campingplatz Paradiso del Mare). Von dort ging es zunächst weiter in die schöne Altstadt von Noto (welche für Radfahrer nur bedingt geeignet ist) und in den Vendicari Park. Hier lohnt es sich auf alle Fälle das Rad für ein paar Stunden abzustellen und die Natur zu genießen und bspw. die alte Tonnara zu besuchen. Das weitere Stück bis Donnalucata ist vor allem von landwirtschaftlicher Nutzung geprägt (Tomaten!). Die Städte sind wenig einladend. Insbesondere auf Nebenstraßen sollte man in dem gesamten landwirtschaftlich genutztem Gebiet auf Hunde aufpassen – diese sind nicht immer angeleint und nicht immer freundliche Artgenossen.

Ab Donnalucata habe ich die Küste zunächst hinter mir gelassen und bin in Richtung Zentralsizilien gefahren. Der erste Stop war Ragusa, hier lohnt sich vor allem die Altstadt – Ragusa Ibla. Diese liegt allerdings knappe 150 Meter tiefer als die Neustadt – Höhenmeter die gerade in der Mittagssonne kräftezehrend sein können.

Von Ragusa geht es zunächst noch einmal zügig bergab, durch Felder und Tomatenplantagen in Richtung Vittoria. Langsam geht es von hier weiter bergauf in Richtung Caltagirone. Die Straßen sind hier teilweise wie leer gefegt. Auf Nebenstraßen begegnet man über lange Zeit keinem einzigem Auto und man kann die Natur genießen. Nur Proviant und Wasser sollte man doch ausreichend mitnehmen, da die Dichte an Dörfern deutlich geringer ist als an der Küste.

Hinter Caltagirone ist die leicht hügelige Landschaft dominiert von Feldern (Weizen), Schafherden und Co. Die Dichte an Städten nimmt deutlich ab.  Immer wieder geht es bergauf und bergab. Die einzig größere Stadt in Richtung Enna ist Piazza Armerina. Hier lohnt ein Besuch der Villa Romana del Casale mit den beeindruckenden Mosaiken. In Richtung Enna sind nochmal einige Höhenmeter zu machen, dafür entschädigt die Altstadt mit einem schönen Ausblick.

Von Enna ging die Fahrt wieder in Richtung Küste, genau genommen nach Agrigent, über Caltanisetta. Die Tagestour bot eine Fülle an unterschiedlicher Landschaft. Von Feldwegen bis dicht befahrenen Straßen bot auch die Wegführung alles. Hier lohnt sich vorab einige Planung, da die Dichte der Wege gerade in Zentralsizilien teilweise gering ist. Meiden sollte man auf alle Fälle die SS626. Ich bin der Straße ein ganzes Stück gefolgt – starker Verkehr, teilweise auch mit längeren Steigungen, Beton rechts und links und Auffahrten fast ähnlich der deutschen Autobahnen. Hinter Caltanisetta gab es zum Glück wieder ausreichend Möglichkeiten entlang von SP-Straßen und Feldwegen durch die – hier  vor allem durch Weinplantagen geprägte – Landschaft zu fahren. In Richtung Agrigent nimmt der Verkehr allerdings dann doch bald auch wieder zu. Hier lohnt sich aber auf alle Fälle ein Besuch im Tal der Tempel.

Von Agrigent folgte ich zunächst der SS115 in Richtung Norden. Auch die SS115 ist teilweise stark befahren und nur bedingt empfehlenswert. Insbesondere die Gegend um Porto Empedocle ist stark industriell geprägt. Glücklicherweise gibt es auch viele, teilweise bereits von Bäumen durchsetzten, Nebenstrecken auf welchen man in Ruhe fahren kann.  Mein erstes Ziel war der Sandstrand von Eraclea Minoa, welcher auf alle Fälle einen Abstecher wert ist. Von dort ging es mit einem Umweg über Ribera nach Sciacca und auf schönen Nebenstraßen weiter in Richtung Selinunte. Ein Tipp ist hier der Campingplatz Maggiolino, welcher zwar sehr einfach ist aber einen sehr herzlichen Gastgeber und ein sehr schönes Frühstück (Bergamotte Marmelade!) bietet.

Hinter Selinunte nimmt die landwirtschaftliche Nutzung, gerade in Richtung Marsala wieder deutlich zu. Abgedeckte Felder, Plantage von Wein, Wassermelonen und Co. Je näher ich Marsala kam, desto mehr nahm auch der Verkehr wieder zu. Die Mischung aus Verkehr, starker landwirtschaftlicher Nutzung und dem zunehmenden Müll macht das Stück weniger schön, weshalb ich bis Trapani die Fahrt mit dem Zug abgekürzt habe.

Nach einem Zwischenstopp in Valderice war das nächste Ziel San Vito lo Capo, ein beliebter Badeort wo selbst zur Nebensaison sehr viel los war. San Vito lo Capo selbst liegt in einer Sackgasse. Der Besuch lohnt aber nicht zuletzt wegen des Zingaro Nationalparks. Auch die Strecke dorthin hat (neben einigen Höhenmeter) einige sehr schöne Ausblicke zu bieten. Für den Zingaro Nationalpark bietet es sich auf alle Fälle an einen Tag einzuplanen. Eine Besichtigung ist nur zu Fuß möglich. Die Italiener nutzen den Besuch des Parks vor allem um in den schönen Buchten zu verweilen. Entsprechend ist der Andrang auch hier teilweise sehr groß.

Wie bereits erwähnt liegt in San Vito lo Capo in einer Sackgasse, daher muss ein ganzes Stück des Weges (20 – 30 km) wieder zurückgefahren werden. Das nächste Ziel war Scopello, eine schöne kleine Stadt welche vor allem bei den Einwohnern Palermos (und Touristen) beliebt ist. Tagsüber ist das Dorf vollkommen überlaufen. Hier lohnt es sich morgens, vor den vielen Besuchern, zu sein um einen Kaffee auf dem Dorfplatz zu genießen. Von Scopello ist zudem auch der Zutritt zum Zingaro Park möglich. Grundsätzlich wäre es daher auch möglich, über den Zingaropark direkt von San Vito lo Capo nach Scopello zu gelangen. Radfahren ist im Park aber nicht möglich, man müsste das Rad über Stock und Stein Schieben und tragen.

Das letzte Stück der Tour führte mich über Castellammare del Golfo nach Monreale, einer kleinen Stadt oberhalb von Palermo (etwa 10 km). Hier sind ab Partinico nach einmal einige Höhenmeter zu bewältigen (~ 400 m).  Problematisch ist vor allem, dass die Straße SS 186 welche nach Monreale führt nicht für Radfahrer geeignet ist. Der Verkehr ist relativ dicht. Zudem ist die Strecke mit Tunneln und Galerien durchsetzt. Direkte Alternativen scheint es hier aber nicht zu geben.
Monreale selbst ist vor allem seine Kathedrale berühmt, welche zudem einen sehr schönen Park mit alten Bäumen bietet. Die Nähe zu Palermo merkt man dem Dorf aber deutlich an, es ist hektisch und laut.

Die Umrundung von Sizilien mit dem Rad ist auf alle Fälle eine wunderschöne Tour die ich jedem empfehlen kann. Highlights sind sicherlich die Nordküste, das Nebrodi-Gebirge, der Südwesten sowie Zentralsizilien und der Zingaro Park. Bei aller Schönheit der Tour sollte man sich vorab allerdings über einige Dinge klar sein. Süditalien (insbesondere Sizilien) ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Ein ausgebautes Radwegnetz gibt es nicht. Häufig gibt es wenig befahrene Nebenstraßen, teilweise muss man aber auch entlang des dichten Verkehrs an Hauptverkehrsrouten.

Gesäumt sind die Wege häufig mit Müll oder “Schönheiten” der italienischen Baukultur. Brücken die im Nirgendwo enden, Bauwerke die vor 20 Jahren einmal begonnen aber nie beendet wurden, oder aber die Autobahn entlang der Nordküste welche (ohne Rücksicht auf die Landschaft) gnadenlos durch die selbige geführt wird. Auch der Nahverkehr ist eine große Baustelle. In nur wenigen Bereichen fahren Züge. Hier ist die Fahrradmitnahme zwar meist problemlos, aber die Fahrpläne sind abenteuerlich. Häufig gibt es nur ein Zug Morgens, Mittags und Abends. Vielleicht aber auch gar nichts – wer weiß das schon sooo genau. Wer sich über 5 Minuten Verspätung der DB aufregt, sollte sich gut überlegen ob er mit der  – ich nenne es mal – süditalienischen Gelassenheit – zu Recht kommt. Das gilt natürlich auch für das Temperament der Sizilianer, Diskussionen und Hektik gehören irgendwie dazu. Trotz des teilweise starken Verkehrs ist das Radfahren  aber deutlich angenehmer als bspw. in Deutschland. Verkehrsregeln gelten nur als grundsätzlich Handlungsempfehlung, lässt man sich hierauf ein und ist stets achtsam bekommt man viel Achtsamkeit zurück -es gilt Leben und Leben lassen. Vorbeischlängeln an Autos ist kein Problem, vor dem Überholen wird häufig gehupt (ob es ein “Bist Du verrückt” oder ein “Achtung ich komme” ist, mag Auslegungssache sein.)  Auf deutschen Bundesstraßen mit dem Rad unterwegs zu sein ist auf alle Fälle gefährlicher!

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GPS-Track

volle Distanz: 1301.21 km
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