Kilometerfressen Richtung Norden

Tachostand: 1352 (+115) km
Höhenmeter: 8800 (+150)

Kurz hinter Rodi liegt der Lago di Varano, einer der beiden Süßwasserseen des Gargano. Es geht auf einer dünnen Landzunge zwischen See und dem Meer immer geradeaus. Der Küstenabschnitt ist ein Naturschutzgebiet, bewachsen vor allem mit Eukalyptusbäumen, deren süßlicher Duft in der Luft liegt.
Hinter dem Lago di Varano geht es etwas ins Landesinnere. Zu dieser Jahreszeit ist es bereits staubtrocken, die vereinzelten Windräder stehen still. Es überwiegen Weizenfelder, die Ernte ist überall im vollen Gang. Vereinzelt überraschen grüne Tomatenfelder, die beim genauen hinsehen über eine entsprechende Wasserversorgung verfügen. Vereinzelt sind auf den Feldern auch Kühe anzutreffen.
Der nicht vorhandene Wind und die flache Landschaft haben den Vorteil, dass die ersten 50 Kilometer bis Lesina, am Lago die Lesina, zügig abgestrampelt sind.

Der Ort hat wenig zu bieten und sicher auch schon bessere Zeiten erlebt, in der örtlichen Bar sitzen die Männer schon vor 12 und trinken Bier, vereinzelt wird aggressiv gebettelt.

 


Nach einer Pause in Lesina geht es wieder in Richtung Meer. Einzige direkte Möglichkeit ist hier die SS16. Da parallel die Autobahn führt, hält sich der Verkehr in Grenzen – dachte ich. Offenbar nutzen vor allem LKWs die Straße um so der Maut auf der Autobahn zu entkommen. Dank des breiten Seitenstreifens ist die Straße zwar gut befahrbar und in überraschend gutem Zustand. Gleichzeitig ist sie aber auch Müllhalde und Dienstort von Vertreterinnen des leicht bekleideten Gewerbes. Überall am Straßenrand wird offensiv um Kundschaft geworben.

Selbst wieder am Meer angekommen gibt es leider keine Alternative zur SS16. Der Bahnhof im einzigen Ort vor Termoli wird nur 2-3 mal am Tag angefahren. Die restliche Zeit rauschen die Züge durch.
So geht es auch entlang der Küste weiter auf der SS16, erst in der Nähe von Termoli nimmt der Verkehr ab. Geworben wird nun nur noch mit Aufschriften (Name, Telefonnummer und „Besonderheiten“) am Straßenrand. Ob das was damit zu tun hat, dass es von Apulien nach Molise geht ist Spekulationen. Anderen Radfahrern kann ich nur empfehlen den Bereich im Hinterland zu umfahren oder ab Foggia mit dem Zug. Immerhin sind die 35 Kilometer bis Termoli in 90 Minuten Geschichte.

Eigentlich wollte ich in Termoli bis Vasto den Zug nehmen. Den einen Zug gerade verpasst, nimmt genau der nächste keine Fahrräder mit (das war wohl der Schulzzug – das schlechte Wortspiel musste leider sein). Die Wahl zwischen 2 Stunden warten oder 20 Kilometern zu fahren war einfach.
Entlang des Strandes gab es zunächst einen neuen Radweg, der plötzlich endete. Auf schlechten Nebenstraßen ging es weiter, es ist zu erkennen das es hier mal ein Radweg gab, teilweise sogar mit eigenen Brücken. Die Instandhaltung wurde aber wohl irgendwann eingestellt.
Erst kurz vor Vasto taucht der Radweg wieder auf, hier beginnt die Region Abruzzen. Man wirbt mit einem fast durchgehend Radweg entlang der Küste. Diesen werde ich aber nicht mehr befahren. Es geht per Zug nach Norden.

Gargano die Zweite

Tachostand: 1237 (+47) km
Höhenmeter: 8650 (+350)

Für den zweiten Teil Gargano habe ich mir das Stück von Vieste bis Rodi Garganico aufgehoben. Rodi ist entlang der Küste quasi das nördlichste Dorf im Gargano.
Zunächst geht es Richtung Peschici, ein Dorf quasi in der Mitte zwischen Vieste und Rodi. Zunächst ist die Landschaft eher flach und karg, es geht nur vereinzelt bergauf. Das erste Stück ist sehr touristisch geprägt, an langen Sandstränden reihen sich teilweise die Feriendörfer aneinander.
Erst kurz vor Peschici geht es nochmal mächtig bergauf und gleichzeitig etwas weg vom Meer. Die Landschaft wird grüner.

Peschici selbst liegt, ähnlich wie Vieste, auf einem großen Karstfels über dem Meer. Die kleine Altstadt ist, abseits der Hauptgasse mit den typischen Touristenbuden, sehenswert.
Hinter Peschici wird die Landschaft nochmal flacher. Ein langegezogener Sandstrand bis Rodi, welcher nur kurz durch ein Stück des Foresta Umbra unterbrochen wird. Die kurze Fahrt durch den dichten Wald und der plötzliche Landschaftswechsel ist beeindruckend. Entlang der Küste fallen zudem immer wieder alte Wachtürme auf, mit welchen die Küste früher beschützt wurde. Auch alte Fischerhütten stechen entlang der Küste immer wieder ins Auge. Heute wird dort aber nicht mehr gefischt, dafür werden sie teilweise als Restaurants genutzt. Anstelle des Fischs werden vor allem landwirtschaftliche Produkte verkauft, so fallen immer wieder viele Verkaufsstände entlang der Straße auf – es gibt vor allem Olivenöl, Chillis und Knoblauch.

Rodi selbst thront, ähnlich wie die anderen beiden Dörfer, über dem Meer, von allen dreien ist es aber das kleinste Dorf und bei weitem nicht so touristisch wie Vieste.

Im Gargano gibt es zwar ein eigenständiges Bahnnetz, die Anbindung an das FS-Netz und die allgemeine Abdeckung ist aber eher ein Flickenteppich. Daher geht es morgen nochmal mächtig gen Norden um von dort, mit Zwischenstopp in Ravenna, die Reise nach Deutschland anzutreten.

Wilder Ritt durchs Gargano

Tachostand: 1190 (+87) km
Höhenmeter: 8300 (+1000)

Los ging es in Richtung Gargano zunächst nach Manfredonia. Kurz hinter dem Ort beginnt das Gargano. Entsprechend geht es langsam bergauf, hier noch entlang der SS89, die aber stark befahren ist. Die SS89 verbindet zwar die wichtigsten Orte des Gargano zügig, führt aber durch lange Tunnel.
Daher geht es schnell auf eine Nebenstraße, auf der es deutlich bergauf geht. Neben dem teilweise schroffem Karstfels wird die Landschaft durch Olivenbäume dominiert. Passend dazu liegt auch das erste Dorf Mattinata inmitten von Olivenbäumen.

Ab dort geht es weiter entlang der Küste, immer wider bergauf und bergab. Kroatien war im Vergleich dazu harmlos. Verkehr ist auf den Nebenstraßen kaum vorhanden.
Es geht nach wie vor überwiegend vorbei an Olivenbäumen, teilweise auch wilden Kapernsträuchern. Immer wieder gibt es Blicke auf Buchten mit teilweise abstrusen Felsformationen. Dazwischen gesellen sich immer wieder kleine landwirtschaftliche Betriebe.

Das auf und ab ist zwar extrem anstrengend, aber insgesamt ist es ein Traum für Radfahrer – ganz großes Kino. Bislang sicherlich eine der beeindruckendsten Landschaften und herrlich zu fahren.

Da ich zur Vignanotica Bucht wollte, welche nur über ein kleines Sträßchen zu erreichen ist, bin ich schließlich von der SP53 auf einen Wanderwege abgebogen, um so einigen Höhenmeter zu umgehen. Die Bucht selbst ist eine kleine Kiesbucht eingerahmt von steilem Karstfels. Genau das richtige für eine ausgedehnte Mittagspause.

Hinter der Bucht verändert sich die Landschaft etwas, es überwiegt Bewuchs von Nadel- und Laubbäumen. Trotz des schroffen Fels ist die Landschaft hier sehr grün. Weiter höher beginnt der Foresta Umbra, ein teilweise streng geschütztes Waldstück, auf welches ich aufgrund der vielen nötigen Höhenmeter aber verzichte.

So geht es weiter, immer wieder bergauf- bergab entlang der Küste. Vorbei an Buchten und Felsen. Erst mehr in Richtung Vieste (im Nordosten) fällt die Landschaft wieder mehr ab. Daher ist Vieste vor allem von flachen Sandstränden umringt. Hier werde ich erst nochmal Pause einlegen und dann langsam nich etwas nach Norden rollen.

Grundsätzlich fällt mir auf, dass im Gargano großer Wert auf lokale Produkte gelegt wird. In Supermärkten, der Gastronomie – überall.
Gleichzeitig fällt aber auch wieder auf warum die Süditaliener so etwas wie Müllweltmeister sind. Den Espresso gibts mal gerne aus dem Plastikbecher, warme Milch aus dem Styroporbecher und falls es eine normale Tasse gibt ist zumindest der Löffel häufig Plastik. In der Pizzeria gibts die Pizza auf dem Pappteller, Wein aus dem Plastikbecher, Wasser aus der Plastikflasche und zusammen mit der Papiertischdecke ist damit ein Sack Müll zusammengekommen.

Die andere Seite Südialiens

Tachostand: 1103 (+70) km
Höhenmeter: 7300 (+00)

Von Bisceglie ging es weiter in Richtung Gargano. Bereits am Horizont zeigt sich der Stiefelsporn. Zunächst folgte ich der SS16, durch  Trani und Barletta. Beide Städte haben, wie auch Bari oder Bisceglie einen schönen, alten Ortskern. Es geht vorbei an Kirchen und Castelli.

Hinter Barletta zeigt sich dann auch eine der Seiten die Süditalien so beliebt machen – kilometerlange Sandstrände. So geht es Richtung Norden, auf der rechten Seite das Meer, links viele Kleingärten. Hier wird so ziemlich alles angebaut, hauptsächlich Tomaten, Zucchini, Zwiebeln und Chillis bzw. Paprika. Auf Nebenstraßen geht es weg vom Meer durch landwirtschaftliche Fläche. Auch Weintrauben und Weizen mischen sich ins Landschaftsbild.

Schließlich geht es auf einer Landzunge für gute 30 Kilometer durch Salinen und Kleingärten. Vorbei geht es aber auch an brennendem Schilf und Müll. Die Menge hat zwar etwas abgenommen, aber auch in dieser kaum besiedelten Gegend gibt es noch genug davon.

Am Ende dieser Landzunge bin ich auf einem Campingplatz gelandet, der zwischen einem leeren Sandstrand und dem Lago Salso kurz vor Gargano liegt.

 

Weiter geht es nach Norden

Tachostand: 1033 (+70) km
Höhenmeter: 7300 (+200)

Die letzten etwa 20 km von Petrovac nach Bar waren gestern zügig erledigt. Direkt nach Petrovac geht es allerdings nochmal weg vom Meer ins hügelige Hinterland. Es gab nochmal einige schöne Ausblicke. Bar selbst war hingehend schockierend. Die Stadt scheint ihre besten Zeiten lang hinter sich zu haben. Alte Hochhäuser, im Stadtkern steht eine Betoneinkaufszentrum, im Restaurant wird gebettelt.

Die spätere Ausreise sowie die Fährüberfahrt klappten problemlos. Bei der Einreise wollte man es sich natürlich nicht nehmen lassen das Gepäck auf dem Rad zu scannen, also alles runter vom Rad und wieder drauf.

In Italien angekommen ging es zunächst ging es ein wenig durch die Altstadt von Bari, bevor ich schließlich nach einigem herum irren endlich aus der Stadt herausgefunden habe. Der Kontrast zu Kroatien und Montenegro hätte kaum größer ausfallen können. Der Zustand rund um Bari ist schockierend. Die Straßen sind zum Großteil in schlechtem Zustand, das betrifft auch die Hauptstraßen. Solche Zustände habe ich bislang in keinem der anderen beiden Länder angetroffen.

Hinzu kommt der Müll – am Rande der Straße, auf den angegebenen Feldern eigentlich überall. Schlimm ist, dass es sich nicht um alten Müll handelt, sondern vieles neu ist. Offenbar gibt es in der Bevölkerung noch immer keine kritische Masse um dieses Problem endlich in den Griff zu bekommen.
Gleichzeitig fallen aber auch deutlich mehr Menschen auf Fahrrädern auf. Stellenweise gibt es sogar Radwege!

So ging es von Bari nach Bisceglie, einem Ort etwa 40 km von Bari entfernt.
Nach dem ersten Stück Bari stell ich mir doch schnell die Frage – Warum? Verkehr, Müll, Dreck. Dann geht es endlich entlang einer Küstenstraße durch die Vororte. Es riecht überall nach Fisch, der in kleinen Läden fangfrisch verkauft wird. Hinzu kommen viele kleine Restaurants, Imbissbuden etc.

Weiter ging es schließlich auf der SS16. Da parallel eine ausgebaute Version (SS16 bis) existiert, hält sich der Verkehr in Grenzen. Die Landschaft ist hier vollkommen flach. Es geht vorbei an trostlos, trockenem Gras, heruntergekommen Gebäuden sowie diversen landwirtschaftlichen Flächen. Von Oliven, über Feigen bis Zucchini ist so ziemlich alles dabei. In den Orten wird teilweise Obst und Gemüse aus/auf kleinen Wagen verkauft. Gleichzeitig sticht aber auch immer wieder der Geruch von Verkohltem in die Nase. Es geht vorbei an verbrannten Feldern, auf denen häufig nur noch leeren Glasflaschen und Grasreste zu erkennen sind.

Morgen geht es nochmal einige mehrere Kilometer Richtung Norden zum Gargano Nationalpark, wo ich einige ruhige Tage verbringen werde um zu sehen wie weit es noch nach Norden geht.

Weiter geht’s in Montenegro

Tachostand: 963 (+49) km
Höhenmeter: 7100 (+500)

Nach einem Frühstück, das wohl meinen Zuckerbedarf (Pfannkuchen mit Nougatcreme, Schokosirup und Krokant) für die nächsten Wochen gedeckt hat, ging es auf in Richtung Budva. Über Nacht haben in der Bucht gleich zwei Kreuzfahrtschiff angelegt.
Über einen kleinen Hügel bin ich über eine Nebenstraße aus der Bucht von Kotor gefahren. Von dort gab es immer wieder hervorragende Blicke auf die Bucht.
Das ist offensichtlich bekannt, so karrten Taxen, Busse und Co. die Kreuzfahrer hier hoch. Höhepunkt des Schauspiels war die Souvenirbude Panorama View im Nirgendwo, an dem den Touristen schließlich jeglicher Kram verkauft wurde.

Hinab ging es in Richtung Tivat, vorbei am dortigen Flughafen. Der Verkehr auf der Hauptstraße Richtung Budva ist groß. Es geht eher flach durch brachliegende Landschaften. Erst bei Budva geht es wieder an der Küste lang.Die Landschaft ist wieder bergig, teilweise führt die Straße an Steilküsten entlang, vereinzelt gibt es schöne Buchten. Grundsätzlich scheint die Qualität der Badestrände aber nicht mit Kroatien vergleichbar. Ich bin bis Petrovac gefahren, ein normaler Sand/Kiesstrand wie es sie an der Adria zu hauf gibt. Im Wasser schwimmen am Strand schwimmt vereinzelt Plastikmüll. Zeiten die in anderen Ländern an der Adria vorbei sind.

Die Menschen sind dafür allesamt sehr freundlich, auch wenn die Verständigung mit Englisch nicht immer problemlos ist. Das Essen und das lokale Bier ist sehr gut, nur der Cappuccino mit Schokosirup :(. Dann lieber nen normalen Kaffee 😉

Auf nach Montenegro

Tachostand: 914 (+89) km
Höhenmeter: 6600 (+300)

In Richtung Montenegro ging es zunächst auf der Magistrale weiter, vorbei am Flughafen. Hinter diesem bin ich Nebenstraßen in Richtung Süden gefolgt.
Das Gebirge tritt hier ein wenig vom Meer weg und gibt der Landschaft etwas Raum zum atmen. Es ergibt sich eine Art bergiges Hochplateu, welches sehr fruchtbar ist. Überall wird Obst und Gemüse angebaut. Die Landschaft erinnert teilweise fast ein wenig an die Toskana.

Nach einem kurzen Stück kehrte ich zur Magistrale zurück, um so einigen unnötigen Höhenmetern zu entgehen. Dabei traf ich einen Griechen, welcher von Venedig aus auf dem Weg in seine Heimat ist. Nach einigen gemeinsamen Kilometern bin ich wieder auf die Nebenstraßen abgebogen. Hier endete Kroatien quasi wie es angefangen hat. Es geht leicht bergauf, bergab durch unwirkliche Dörfer. Teilweise stehen alte, abgewrackte Autos herum. Einige Gehöfte wirken seit langem unbewohnt, an anderen Stellen wird neu gebaut.

Erst kurz vor der Grenze traf die Straße wieder aufs Meer und bot so nochmal einige schöne Ausblicke. Der Grenzübertritt lief problemlos und es ging abwärts in Richtung Herceg Novi. Zunächst wieder auf der Magistrale, dann entlang der Strandpromenade.
Ähnlich wie in Kroatien wird an vielen Stellen neu gebaut. Genauso oft fallen aber auch verlassene, heruntergekommene Gebäude und ‚Sale‘ Schilder ins Auge. Auch hier ist man ganz auf Sommertourismus eingestellt.

Ich hatte mich entschieden in Richtung Kotor der gesamten Bucht zu folgen, was doch mächtig Kilometer gekostet hat, da die Küstenlinie hier relativ lang und verwinkelt ist.
Zunächst ist die Bucht sehr weit und offen. Es geht zügig entlang der Magistrale, die hier M2 heist. Der Zustand der Straße ist gut. Die einheimischen Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll gegenüber Radfahrern und lassen beim überholen viel ‚Platz zum leben‘.

Erst spät und plötzlich eröffnet sich der Blick auf die eigentliche Bucht von Kotor. Ein Schauspiel – bis dicht ans Meer ziehen sich steile, felsige Berge.
Bei der Umrundung ergeben sich immer wieder neue Blicke auf die Bucht sowie Perast mit den vorgelagerten Inseln.
Neben der Bucht selbst ist auch die Altstadt von Kotor sehr sehenswert, wenn auch kurzweilig.
Morgen geht es weiter nach Budva, bevor es am Mittwoch per Fähre von Bar nach Bari geht.

Weiter geht es in Süddalmatien

Tachostand: 825 (+51) km
Höhenmeter: 6300 (+450)

Slano liegt etwa 30 km vor Dubrovnik. Süddalmatien ist hier nur noch eine dünne, bergige Landzunge. Neben den vereinzelten Dörfern am Meer gibt es im bergigen Hinterland nur noch wenige kleinere Dörfer. Die einzige wirkliche Möglichkeit nach Süden zu kommen ist die Magistrale. Diese zieht sich entlang der Küstenlinie, je nach Gelände geht es bergauf, bergab. Mal vorbei an Steilküsten, dann wieder eher auf Meereshöhe. Die Straße ist eng, der Verkehr aber glücklicherweise nicht so stark (oder man gewöhnt sich dran).

Zwischen Slano und Dubrovnik ist eigentlich nur noch die Bucht bei Zaton etwas stärker bevölkert. So ging es zügig nach Dubrovnik. Die Nordansicht der Stadt ist dabei weniger einladend. Man fährt auf den Fährhafen zu, im Hintergrund türmen sich Hochhäuser.
Ich hab mich entschieden Dubrovnik direkt auf der Magistrale zu umfahren und Halt in Cavtat, etwa 20 km südlich, zu machen. Die Straße führt direkt oberhalb von Dubrovnik. Es gibt schöne Blicke auf die Altstadt. Die Straßenführung ist aber sehr abenteuerlich, da das Gelände sehr steil ist. Der Verkehr nimmt wieder deutlich zu. So geht es die meiste Zeit am steilen Abgrund entlang, bevor es hinter Dubrovnik in einer wilden Abfahrt in Richtung Cavtat geht.

Eigentlich hatte ich gehofft, das man in dem Dorf dem Tourismus etwas entkommt. Dank einiger großer Hotelanlagen kommen aber auch jetzt schon auf die 2000-3000 Einwohner ein vielfaches an Touristen. Verglichen mit Dubrovnik ist dort noch wenig los.
Wettertechnisch war es gestern seit langem mal wieder wolkig. Zunächst war ich darüber ganz froh, da es gerade Mittags zuletzt doch sehr warm war. Allerdings war es dabei auch sehr schwül, im Hinterland waren kräftige Wolkentürme zu sehen. Hier gingen kräftige Gewitter nieder, die es zum Glück nicht über die Berge zur Küste geschafft haben.

Heute ist nochmal ein Tag Pause in Dubrovnik angesagt, bevor morgen einige mehrere Kilometer nach Montenegro vor mir liegen. Die Altstadt von Dubrovnik ist wirklich ein Erlebnis und eine Reise wert. Allerdings ist Dubrovnik, ähnlich wie Split, inzwischen ‚In‘. Auch jetzt Anfang Juni ist die Stadt bereits sehr voll. Überall gibt es Stände die Boots- oder Stadttouren verkaufen wollen. Daher sollte man einen Besuch lieber sehr früh in der Saison planen 😉

Weiter in Richtung Dubrovnik

Tachostand: 774 (+92)
Höhenmeter: 5850 (+650)

Das war nochmal ein Ritt in Richtung Dubrovnik. Es ging zunächst für etwa 10 km weiter entlang der Makaraska Riviera. Hinter Gradec führt die Straße weg vom Meer und erstmal aufwärts, es geht vorbei an den Bacina-Seen welche eingebettet in der hügeligen Landschaft liegen.

Die Abfahrt führt direkt nach Ploce und dem Neretva-Delta. Ploce selbst ist eine grässliche Hafenstadt. Da auch die Autobahn hier endet, nimmt der Verkehr in Richtung Dubrovnik deutlich zu. Neben dem üblichen Lastverkehr fallen vor allem einige Reisebusse mit polnischen Kennzeichen besonders negativ auf.

Es geht weiter durch das flache Flussdelta. Die Fläche wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Überall am Straßenrand wird Obst verkauft. Nach einigen Kilometern geht es wieder zurück in die Berge, es geht aufwärts vorbei an Weinreben.
In der folgenden Abfahrt öffnet sich plötzlich wieder der Blick auf das Meer, die vorgelagerten Inseln und Neum. Vor mir lag der Neum Korridor, eine absolute Absurdität. Neum gehört zu Bosnien-Herzegowina. Auf dem Festland wird Kroatien daher in zwei Teile aufgespalten, nördlich und südlich von Neum. Zwischen beiden Teilen gibt es auf dem Festland keine Verbindung auf kroatischem Hoheitsgebiet.

Noch absurder ist, dass Kroatien zur EU gehört, Bosnien-Herzegowina aber nicht. Somit ist die Grenze nach Neum eine EU-Ausengrenze. Auf 11 km reist man entsprechend aus der EU aus und wieder ein. Das gilt natürlich auch für den ganzen Warenverkehr.
Auf dem ganzen Stück ist Neum die größte Stadt. Es überwiegt wilde Natur, Fels und das Meer. Die Straße folgt größtenteils dem Küstenverlauf. Inzwischen hat sich der Verkehr zum Glück wieder etwas gelegt, dafür wird auf einem 5 km langem Stück auf der D8 gebaut. In Kroatien spielt Radverkehr eh keine große Rolle, das wird in Baustellen noch schlimmer, so wird die D8 teilweise zur staubigen Schotterpiste.

Ansonsten geht es immer wieder bergauf und bergab. Das Gebirge formte immer wieder kleine Buchten, allerdings auch nur mit kleine Siedlungen. So bin ich schließlich in Slano gelandet, dem ersten größeren Dorf nach Neum. Das Stadtbild wird geprägt durch das große Admiralhotel und die Marina. Jetzt zur Nebensaison ist es hier aber ruhig und es lässt sich gut in der schönen Bucht baden.

Bis Dubrovnik sind es jetzt noch etwa 40 km, dann geht es nach Montenegro.

Wieder aufs Festland

Tachostand: 682 (+67)
Höhenmeter: 5200 (+700)

Nach dem Tag Pause ging es leider früher los als mir lieb gewesen wäre. So schön Bol ist, für Radfahrer ist es eine Sackgasse. Zum Fährhafen Sumartin sind 450 Höhenmeter zu bewältigen. Die Fähren fahren zur Zeit nur um 5.30, 11 und 15.30 Uhr. Da noch ein paar Kilometer bis Montenegro vor mir liegen, war 11 quasi Pflicht.

Zum Glück ist die Steigung gering, so ging es zügig auf die Hochebene von Brac hinauf, immer wieder schöne Blicke auf das Meer, Hvar und das Festland. Bei der Abfahrt nach Sumartin kam das Biokovogebirge immer näher. Erst bei der Fahrt mit der Fähre nach Makaraska wird aber die Dimension des Gebirges klar. Nur wenige Kilometer vom Meer entfernt erhebt sich eine gewaltige Felswand.

Nach Süden ging es weiter entlang der Makarska Riviera. Auf der schmalen Landzunge zwischen Biokovogebirge und Meer geht es immer leicht bergauf, bergab. Ständige Blicke auf den imposanten Fels und schöne Buchten.

So bin ich letztlich in Zaostrog gelandet. Eine Dorf in einer dieser Buchten. Auch hier ist man voll auf Tourismus ausgerichtet. Wie bereits in den letzten Tagen fallen wieder zwei Dinge auf – es wird überall noch gebaut und aufgeräumt. Viele Strandkneipen machen sich erst jetzt für die Saison fertig. Zudem fiel auch hier, mitten im Dorf, Gebäude auf welche abrissreif sind und bereits seit vielen Jahren nicht mehr bewohnt werden. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder sie negativen Seiten des Tourismus zu sehen, Strandresorts welche „Wunder der Architektur“ in die Landschaft betonieren.